03.08.1998 Nordbayerische Nachrichten

"Marshall Brainstorm" spielte am Gottla einfach los

Der Kult-Keller lebt

Niemand nahm Anstoss - Wie in alten Zeiten - Spass haben

FORCHHEIM - Das Annafest hat seit einigen Jahren einen Reiz verloren: den Gottla-Keller. Das schöne Anwesen hat in den letzten Jahren eher einer vertrockneten Wiese geglichen, unbeachtet und abseits gelegen mit einem traurigen Anblick: Nur vereinzelt trafen sich dort junge Leute und saßen da, als würde doch eine Band spielen, doch es war immer nur die Musik des Nachbarkellers, die rüberdröhnte.

Aber könnte man nicht trotzdem...? Was sich viele gedacht und noch mehr gewünscht haben - wie sich auch an den Pinnwand-Einträgen im Internet-Annafest gezeigt hat - hat am Samstag die Band "Marshall Brainstorm" Wirklichkeit werden lassen: Eine Attacke auf den Gottla-Keller, dasein und Spass haben.

Und ihre "Aktion illegal" lief wie geschmiert: Noch eine Stunde vor dem angesetzten Konzertbeginn bot sich das gewohnte Bild, einzelne Grüppchen auf der großen Wiese oder doch nicht? Da liegt doch eine Kabeltrommel. Das Stromkabel? Kommt aus dem Wald. Aha. Stromaggregat. Eine halbe Stunde später stehen Ständer für die Lautsprecherboxen und der Aufbau läuft sachte und vorsichtig, damit niemand etwas bemerkt.

Wie in alten Tagen
Die Spannung, ob jemand etwas gegen das Konzert unternehmen wird, knistert. Kurz vor dem ersten Klang bauen die vier Jungs auf wie die Wilden, aber das sieht nun sowieso niemand, denn mittlerweile ist die Gottla-Wiese voll wie in alten Tagen, als der Keller Kult war.

Fertig: Das erste Lied erklingt, das zweite, das dritte - niemand beschwert sich, also erwacht der Keller zum "neuen alten" Leben. Marshall Brainstorm fegen los, unter anderem mit dem Titelsong der Kultserie "Ein Colt für alle Fälle" oder auch dem berühmten "Theme from Raw Hide" der Blues Brothers. Das flotte Konzert ist ein voller Erfolg, das Publikum johlt nach jedem Lied nach mehr, alle zusammen feiern eine riesige lustige Fete unter freiem Himmel. Illegal, aber egal.

Harsches Ende?
Mittlerweile ist es stockfinster geworden und plötzlich scheint der Feier ein harsches Ende gesetzt, denn mit der Dunkelheit kommt auch der Regen. Die guten Instrumente, die empfindliche Elektronik! Doch die "Marshall Brainstorm" haben an alles gedacht und das Publikum zieht ohne mit der Wimper zu zucken mit: Die Zuschauer stürzen auf die "Bühne", halten Planen und Regenschirme, ja sogar Jacken schützend über die Musikanten, wollen sagen: "Bloß nicht aufhören zu spielen, es ist zu schön ..." und so spielen sie munter und tapfer weiter, zusammengedrängt mit allen, die das kleine Planendach in die Höhe halten.

Alles, damit die Party weitergehen kann, denn der Göttla war und soll ein Treffpunkt bleiben. Nach einer Weile geht es dann doch nicht mehr, es ist zu naß, zu gefährlich für Instrumente und Geräte. Das ganze Publikum faßt im Dunkel der Nacht mit an, und innerhalb von wenigen Minuten sieht die Gottla-Wiese aus wie immer...

War denn was? Natürlich, ein wunderschöner Höhepunkt des diesjährigenAnnafestes.

Johanna Poetzsch

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