4. Mai 2005 Fränkischer Tag
 

Alles andere als „Trivial“
 
Genau zuhören: Starkes Debüt von „Marschall Brainstorm“
 

Zehn Jahre gereift, dann fährt ein Motorrad mit einem Reifen zu wenig übers Cover. Marshall Brainstorm lässt grüßen. Repro: FT

FORCHHEIM. „Anstatt auf der glattgewetzten Spur geradeaus zu tuckern, rast Marschall Brainstorm lieber durch die Rabatten. Haltestelle unbekannt.“ Dieser Auszug aus der offiziellen Presseinfo des Forchheimer Bandurgesteins Marschall Brainstorm, welches diesen März sein 10. Bandjubiläum in unveränderter Besetzung feiern konnte (der FT berichtete), trifft es wohl am Besten.

Die Mischung zwischen französischem Chanson, Punk, Ska und Polkaeinflüssen, bunt gemischt in den Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch lässt sich wahrlich kaum treffender beschreiben. Entgegen dem Albumtitel alles andere als triviale Unterhaltung.

„Trivial“ ist Musik zum Zuhören. Aber zum ganz genau Zuhören. Olli Lotz (Gesang, Gitarre), Matze Trykowski (Gesang, Schlagzeug), Gunther Siegel (Gesang, E-Gitarre) und Thierry Roussel (Gesang, Kontrabass) haben unter Zuhilfenahme von Synthieprogrammierer Andreas J.W. Röder im Eigenstudio ein Werk mit 13 Liedern zusammengeschustert, dessen zehnjährige Reifezeit seit Bandgründung durchaus berechtigt war, um die Endnote etwas zu verfeinern.

„Trivial“ könnte von der Stimmung her durchaus den perfekten Soundtrack für den neuen, noch ungedrehten Tarantino-Film abgeben. Abwechslungsreich und nie am Mainstream, immer etwas kantig, aber doch eingängig und durchdacht.

Dazu sind die musikalisch höchst abwechslungsreichen Songs, die immer, wie beispielsweise bei „Zerbrichst“, der perfekten Anti-Ode an den Motorrennsport, mit einem Schuss augenzwinkernder Melancholie und Kritik versehen und inhaltlich fast schon so etwas wie eine perfekter Tribut an den bissigen britischen Schwarzhumor der 70-er und 80-er Jahre.

Dies wirkt etwas komisch, ist mit Thierry Roussel doch ein waschechter Exil-Franzose an Bord des Forchheimer Quartetts, die traditionsgemäß eigentlich weniger mit den Insulanern zu schaffen haben wollen, ist der Musik aber vollauf angemessen. Alles in allem ein starkes Debüt, das allerdings durchaus zum Ende hin wie ein wohlschmeckender Käse zur mitternächtlichen Jause etwas schwerer im Magen liegen kann und bestimmt nicht der Rubrik Easy-Listening zugerechnet werden darf.  

Thorsten Adelhardt
 


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