Alles andere als „Trivial“
Genau zuhören: Starkes Debüt von
„Marschall Brainstorm“

Zehn Jahre gereift, dann fährt ein Motorrad
mit einem Reifen zu wenig übers Cover. Marshall Brainstorm
lässt grüßen. Repro: FT
FORCHHEIM. „Anstatt auf der glattgewetzten Spur geradeaus
zu tuckern, rast Marschall Brainstorm lieber durch die Rabatten.
Haltestelle unbekannt.“ Dieser Auszug aus der offiziellen
Presseinfo des Forchheimer Bandurgesteins Marschall Brainstorm,
welches diesen März sein 10. Bandjubiläum in unveränderter
Besetzung feiern konnte (der FT berichtete), trifft es wohl am Besten.
Die Mischung zwischen französischem Chanson, Punk, Ska und
Polkaeinflüssen, bunt gemischt in den Sprachen Englisch, Deutsch
und Französisch lässt sich wahrlich kaum treffender beschreiben.
Entgegen dem Albumtitel alles andere als triviale Unterhaltung.
„Trivial“ ist Musik zum Zuhören. Aber zum ganz
genau Zuhören. Olli Lotz (Gesang, Gitarre), Matze Trykowski
(Gesang, Schlagzeug), Gunther Siegel (Gesang, E-Gitarre) und Thierry
Roussel (Gesang, Kontrabass) haben unter Zuhilfenahme von Synthieprogrammierer
Andreas J.W. Röder im Eigenstudio ein Werk mit 13 Liedern zusammengeschustert,
dessen zehnjährige Reifezeit seit Bandgründung durchaus
berechtigt war, um die Endnote etwas zu verfeinern.
„Trivial“ könnte von der Stimmung her durchaus
den perfekten Soundtrack für den neuen, noch ungedrehten Tarantino-Film
abgeben. Abwechslungsreich und nie am Mainstream, immer etwas kantig,
aber doch eingängig und durchdacht.
Dazu sind die musikalisch höchst abwechslungsreichen Songs,
die immer, wie beispielsweise bei „Zerbrichst“, der
perfekten Anti-Ode an den Motorrennsport, mit einem Schuss augenzwinkernder
Melancholie und Kritik versehen und inhaltlich fast schon so etwas
wie eine perfekter Tribut an den bissigen britischen Schwarzhumor
der 70-er und 80-er Jahre.
Dies wirkt etwas komisch, ist mit Thierry Roussel doch ein waschechter
Exil-Franzose an Bord des Forchheimer Quartetts, die traditionsgemäß
eigentlich weniger mit den Insulanern zu schaffen haben wollen,
ist der Musik aber vollauf angemessen. Alles in allem ein starkes
Debüt, das allerdings durchaus zum Ende hin wie ein wohlschmeckender
Käse zur mitternächtlichen Jause etwas schwerer im Magen
liegen kann und bestimmt nicht der Rubrik Easy-Listening zugerechnet
werden darf.
Thorsten Adelhardt
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