25. April 2000, Nordbayerische Nachrichten

Nach fünf Jahren schon "kultig"?

Marshall Brainstorm lud zu kulinarischen Köstlichkeiten, Ausstellung und Devotionalienversteigerung ein

Bilder zum Anschauen und Instrumente zum Kaufen gabe es bei Marshall Brainstrom. Foto: Wahl

Rechtzeitig nach Ende der Fastenzeit in diesem Jahr lud die Forchheimer Band "Marshall Brainstorm" zu kulinarischen Köstlichkeiten. Extravagant wie eh und je hatte der Maittre de Cuisine der Gruppe Thierry Roussel den "Pressack Guadelup" für die Besucher kreiert, die den Weg in die Ausstellung in der Galerie im Krottental fanden, mit der "Marshall Brainstorm" sein fünfjähriges Jubiläum feierte. Wohl niemand war mehr als er darüber überrascht, dass die Stückchen roten und weissen Pressacks mit der aufgespießten Ananans darauf so reißenden Absatz fanden, doch das sollte nicht die einzige Überraschung für ihn an diesem Abend bleiben.

Für die Ausstellung hatte die Band ihre privatesten Fotoalben aufgemacht und die Funde unter Überbegriffen wie "Matze", "Olli", "Günni" oder "Thierry", aber auch "Hepp", "Fans" und "Sexualität" auf Tafeln angebracht und geordnet. Den Trend zu Devotionalien haben die "happy Rangers" (so der offizielle Untertitel der Band) des gehirnstürmenden Marshalls wohl erkannt und sie geben dem Volk reichlich von dem, was es will. "Original Marshall Brainstorm Bingobongostecken" gibt es für 20 Mark zu erstehen, vom "Müll des Proberaums" kann man sich für zwei Mark ein Stück mitnehmen; es gibt die "Original Marshall Brainstorm Keller Mountain Bluesband Jubiläumskonzert Eintrittskarte", die mit 30 Mark ausgezeichnet ist, was aber wohl eher symbolisch gemeint ist, denn der Wert dieses Stücks dürfte so eine rapide Steigerungsrate aufweisen, dass es wahrscheinlich inzwischen schon unbezahlbar geworden ist.

Verblüffend das Designprodukt "Original Marshall Brainstorm Kerzenständer", der täuschend echt einer leeren Bierflasche ähnelt, in die man eine Kerze gesteckt hat. Neben Pressack, Bier, Leuten und im Laufe des Abends allen Konzertmitschnitten, die es gibt, begeistern die Fotos doch immer wieder, denn sie beweisen, dass es eine Zeit gab, als die Haare der Bandmitglieder noch kurz beziehungsweise lang waren.

Überraschungen hatte ich noch angekündigt: Eine für die Band war sicherlich, dass die Trümmer von (angeblich) Gunthers erster Gitarre, ausgerufen waren sie für eine Mark, tatsächlich für 43 Mark ersteigert wurden (die Investitionen ins Bier hatten sich also offenbar gelohnt).

Und dann fungiert ein Treffen wie dieses natürlich auch als Gerüchtebörse. So soll die Band ein Hörspiel schon fertig haben, Romane und weit größere Projekte sind ins Auge gefasst. Eines davon ist so geheim, dass es den Nordbayerische Nachrichten noch streng verboten ist, darüber zu berichten. Doch die Zeit wird kommen...

Alexander J. Wahl

 

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